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  22:14 Uhr | 10.09.2010
   
Presse
01.05.2010, 10:41 Uhr Übersicht | Drucken
BLZ: Landtagskandidaten für Gladbach und Rösrath bekennen Farbe im BLZ-Gespräch
Viel Stress beim Thema Fluglärm


Holger Müller (CDU), Helene Hammelrath (SPD), Annette Glamann (FDP) und Friedhelm Weiß (Grüne) bewerben sich im Wahlkreis Bergisch Gladbach/Rösrath um ein Landtagsmandat. Die BLZ hat mit den Kandidaten gesprochen.


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BERGISCH GLADBACH/RÖSRATH. Beim Thema Fluglärm hört der "Spaß" für Holger Müller auf. "Ich lasse mich nicht von Ihnen in eine bestimmte Ecke drängen", übt der Politiker beim Redaktionsgespräch Vorwärtsverteidigung in Abgrenzung von Helene Hammelrath.

Nachtflug

Die SPD-Politikerin hatte auf den jüngsten Grünen-Antrag zur Bestrafung verspätet eintreffender Passagierflüge hingewiesen, den die CDU im Landtag auch mit Müllers Stimme abgelehnt habe. "Jetzt mal stopp", holt Müller tief Luft. Selbstverständlich sei auch er dafür, den Fluglärm in der Nacht einzudämmen und die Lärmschutzzonen um den Köln-Bonner Flughafen auszubauen. "Nur Frachtverkehr in der Nacht ist sinnvoll. Nächtliche Passagierflüge müssen zwischen 0 und 5 Uhr nicht sein." Nie habe er anderes behauptet, für Müller eine Frage der Redlichkeit. Dass die CDU gegen die Grünen gestimmt habe, könne man ihm nicht verübeln. "Da wurde im Text die Landesregierung beschimpft. Das geht gar nicht." Die SPD-Fraktion sei doch auch für Nachtfrachtflug, dies aber werde von den Genossen nicht so deutlich kommuniziert. "Nur die Grünen waren immer gegen alle Flugbewegungen in der Nacht."

Bahndamm-Zubringer

Bei einem anderen Verkehrsthema sind Müller und Hammelrath näher beieinander. "Gladbach braucht den Autobahnzubringer über den alten Bahndamm", stellt die SPD-Kandidatin überzeugt fest. Der Zubringer mache nur Sinn mit einem direkten Durchstich zur Autobahn. Es gelte, zwischen dem Schutz der Anlieger und den Wünschen des Gewerbes abzuwägen. "Sie müssen mal sonntags abends um 22 Uhr am Olefant stehen. Da fährt ein Lkw nach dem anderen raus", schilderte sie die Situation nach Ablauf des Lkw-Wochenend-Fahrverbots. Ob möglicherweise einer der drei vorhandenen Autobahnanschlüsse aufgegeben werden müsse, sei für sie offen. Wobei Hammelrath sich festlegt: "Bockenberg und Refrath müssen bleiben." Die Verkehrssituation in Gladbach zu verbessern ist auch für Holger Müller eine vordringliche Notwendigkeit. Im Sommer seien die Verkehrsgutachten fertig, vorher sei es kaum möglich, seriös über die Durchführbarkeit der Bahndamm-Pläne zu sprechen. Die erste Planung hat 62 Millionen gekostet, jetzt sind wir bei 16 Millionen." Auch für Müller wäre ein Anschluss nur zur Kölner Straße nicht zielführend: "Autobahnzubringer: entweder ganz oder gar nicht." Alles keine überzeugenden Argumente für Annette Glamann (FDP). "Der Bahndamm ist kontaminiert, Eigentümer müssten enteignet werden. Es wird eine Flut von Klagen geben", erwartet die Liberale größte Probleme bei der Umsetzung. Man müsse nochmal über einen Anschluss ans Merheimer Kreuz mit den Kölner Kollegen sprechen, regte sie an. "Undurchführbar", dazu der Kommentar von Müller und Hammelrath. Fast resignierend die Meinung von Friedhelm Weiß. Bergisch Gladbach habe die Entwicklung verschlafen, an der bestehenden Situation mit Dauerstau auf der Bensberger Straße werde sich auf längere Sicht nichts ändern. "Aus ökologischen und finanziellen Gründen lehnen wir den Bahndamm ab. Ich denke, der Zubringer kommt nie", glaubt der Grüne.

Radstation

"Ett ist, wie ett iss", sagt CDU-Mann Müller beim Thema Radstation Bergisch Gladbach und knetet die Hände. Bekanntlich hat der Gladbacher Stadtrat das Regionale-Projekt aus Kostengründen gekippt. Müller bedauert: "Schade, das hätte ein Anstoß für den Tourismus sein können." Ein Scheitern der Regionale insgesamt erwarte er für Bergisch Gladbach aber nicht. "Unser Verkehrsminister hat die Aufstockung der Landesmittel auf 90 Prozent zugesagt. Das steht jetzt fest." Regionale und Konjunkturpaket seien auf lange Zeit die letzten Fördermittel für neue Projekte im Bergischen. "Dann ist erstmal Schluss."

Eine etwas einfachere Bauweise der Radstation hätte es auch getan, bemerkt Helene Hammelrath. Sie sehe einen Markt für das Radprojekt, gleichwohl hätte der Blick mehr auf die Kosten gerichtet sein müssen. Generell sei die Stadt beim Thema Regionale etwas spät dran. Die 90-Prozent-Förderzusage des Landes wünsche sie sich noch etwas verbindlicher. Eine grüne Lunge für Bergisch Gladbach zu gestalten, sei viel sinnvoller als etwa die Strunde neu im Zanders-Park zu verlegen.

Friedhelm Weiß wertet das Aus für die Radstation als vertane Chance für den Tourismus. Der WanderBus starte, die Radstation nicht: "Unverständlich" für Weiß. "Zu teuer, zu viele Folgekosten, wir waren dagegen", erklärt hingegen FDP-Frau Glamann.

Schule/Bildung

Beim Thema Gesamtschule geht es beim BLZ-Gespräch koalitionsmäßig drunter und drüber. "Ich bin ein Fan der Gesamtschule", bekennt Annette Glamann. Bei den Eltern sei die Hauptschule unerwünscht, darauf müsse man reagieren. Holger Müller schaut überrascht: "Wir sind schon in einer Koalition im Land, oder?" Bei den Bürgerplänen aus Rösrath, eine neue Gesamtschule einzurichten, müsse man abwarten. "Alleine wird Rösrath das nie schaffen." Bei dieser Entwicklung drohe die Hauptschule zur Restschule zu werden. "Und das darf nicht sein." Generell sei die Schulzeitverkürzung die richtige Entscheidung. "Wir stehen im globalen Wettbewerb, Schule ist keine Kuschelecke."

Schützenhilfe pro Gesamtschule gibt Helene Hammelrath. Auch die Bensberger Eltern wünschten sich mehr Schulauswahl. Dass die Landesregierung die falschen Weichen stelle, sei für sie klar. Mit zehn Jahren finde eine zu frühe Trennung der Kinder statt, die verbindlichen Empfehlungen der Grundschulen zeichneten den weiteren Lebensweg auf fatale Weise vor. Der zweite Bildungsweg sei später möglich, aber viel mühsamer. "Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen." Ihr Ziel: "Zehn Jahre gemeinsam lernen, dann eine Differenzierung mit Leistungskursen." Schulen in NRW seien nach wie vor ein Ständesystem, kritisiert Friedhelm Weiß, viel zu abgeschottet. Allerdings gebe er sich keiner Illusion hin: "Es wird im Kreis keine neue Schule gebaut werden."


03.05.2010, 10:43 Uhr

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